Luther war ein guter Katholik!

Dekan Wolfgang Hörl, NeuendettelsauDekan Klaus Schlicker, Windsbach

Der katholische Dekan Wolfgang Hörl aus Neuendettelsau und unser Windsbacher Dekan Klaus Schlicker sprachen am 15. November 2016 in Heilsbronn über die Ökumene.

Hörl fasste den gegenwärtigen Stand der Ökumene zwischen Katholiken und Lutheranern so zusammen: Wir schauen jetzt gemeinsam in die gleiche Richtung auf Christus und werfen uns nicht mehr gegenseitig einen Abfall vom Glauben vor. In den Grundwahrheiten sind wir einig.

Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 hat den Hauptgrund für die Kirchenspaltung in der Reformationszeit überwunden. Es gibt keine Gründe, den Glauben des anderen in Frage zu stellen. Leider habe die Erklärung "Dominus Jesu" von Kardinal Josef Ratzinger im Jahr 2000 den ökumenischen Dialog für Jahre gelähmt. Doch unter dem Papst Franziskus wurde diese Lähmung überwunden. Noch offen sind Fragen, die das Amts- und Kirchenverständnis und die Eucharistie (Abendmahlsgemeinschaft) betreffen.

Doch das Ziel ist von katholischer Seite her klar benannt: Auch die katholische Kirche strebt die sichtbare Einheit in versöhnter Verschiedenheit an. Eine Art Rückkehr-Ökumene (d.h. dass die evangelische Kirche wieder römisch-katholisch werden müsste) ist seit dem II. Vatikanum (1965) vorbei. Damals wurde erklärt, dass die katholische Kirche auch von anderen lerne.

So bleibt festzuhalten, dass der Streit des 16. Jahrhunderts, der sich über 400 Jahre hingezogen hat, beendet ist.

Nach neuerer katholischer Sicht war und ist Martin Luther bleibend in der katholischen Tradition verwurzelt. Darum sei er ein guter Katholik. Zumal viele seiner Reformforderungen inzwischen in der katholischen Kirche aufgenommen wurden. "Wer heute katholisch sein will, muss ökumenisch sein", so das Fazit von Hörl.

Dekan Schlicker erinnerte daran, dass die Ökumene das wichtigste kirchliche Ereignis des 20. Jahrhunderts war. Der Anstoß kam von den Erweckungsbewegungen, die erkannt haben, dass in den Missionsgebieten eine Kooperation nötig ist. Luther selbst wollte keine neue Kirche gründen, sondern die bestehende reformieren. Das wird inzwischen auch von katholischer Kirche so gesehen. Darum steht außer Frage, dass Luther heute für die Ökumene eintreten würde.

"Wer heute lutherisch sein will, muss ökumenisch sein," so das Fazit von Dekan Klaus Schlicker.

Ökumene-Abend am 15.11.16 in HeilsbronnVikar Daniel Hoffmann moderierte den Abend und kitzelte bei den beiden Kirchenvertretern klare Stellungnahmen heraus. Aus der Zuhörerschaft kam die kritische Frage, ob denn diese Diskussion noch die Jugend erreiche und interessiere. Hier antworteten beide Dekane einhellig, dass glaubwürdige Antworten auf die Gottesfrage entscheidend seien. "Ich würde den jungen Menschen nahebringen, dass sie nicht allein durchs Leben gehen. Da ist einer, der an ihrer Seite ist, zu dem sie beten und dem sie sich anvertrauen können, " so Dekan Schlicker. Dekan Hörl stimmte dem zu und ergänzte, dass man das eine tun und das andere (den ökumenischen Dialog) aber nicht lassen sollte. Auch der Papst bekundet immer wieder, dass die Christen auf dem Weg zur Einheit voranschreiten sollen.

[Zur Erinnerung: Als Papst Franziskus die evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom am Sonntag, 15.11.2015, besucht und ihr als symbnolisches Geschenk einen Kelch mitgebracht hat, beantwortete er die Frage der Abendmahlsteilnahme in konfessionsverbindenden Ehen mit dem Hinweis auf die gemeinsame Taufe. Der Papst sagte: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr, so sagt uns Paulus, und daraus ziehen Sie dann die Konsequenzen!“ Die Taufe sei das entscheidende Ereignis. „Wenn wir dieselbe Taufe haben, müssen wir gemeinsam gehen.“ Auf die Taufe komme es an – nicht auf die unterschiedlichen Lehren von Amt und Eucharistie/Abendmahl. Für die Menschen, die sich fragen, ob sie an der Eucharistie bzw. am Abendmahl teilnehmen dürfen, stellt der Papst deshalb ganz klar fest: „Sprechen Sie mit dem Herrn, und schreiten Sie voran!“ In der konkreten Situation kann dies als Aufruf zum „konfessionellen Ungehorsam“ verstanden werden, als Aufruf zum wechselseitigen Besuch des Herrenmahls. Die Selbstprüfung des Einzelnen stellt damit das entscheidende Kriterium dar – nicht der Gehorsam gegenüber der kirchlichen Lehre.]