Theologie ist zu 90 Prozent Biografie

Peter Hahne hat in Wassermungenau in einer voll besetzten Kirche viel Anektodenhaftes aus seinem Leben aneinander gereiht. Peter Hahne in WassermungenauAls Politik-Moderator hatte er viele Begegnungen mit namhaften Persönlichkeiten. Damit setzte er ein mitgebrachtes Zitat um, dass Theologie zu 90 Prozent Biografie sei. Hahne hat sich für seinen Vortrag vorgenommen, die Aktualität der Reformation aufzuzeigen und speziell mit Luther Schwung ins Leben zu bringen. Den Bezug zu Luther machte er an einzelnen Seiten des Reformators fest. Luther hat sich bei seiner Kritik an den Missständen in der Kirche auf die Heilige Schrift und sein Gewissen berufen. Gegen die Autoritäten seiner Zeit habe er so der schweigenden Mehrheit eine Stimme gegeben. Seine Sprachgewalt und seine Bibelübersetzung finde bis heute Anerkennung. Wie wichtig ein bedachter Umgang mit der Sprache sei, machte Hahne an einem Beispiel deutlich: Viele, auch prominente Menschen, die einen Fehler begangen haben, sagen: "Ich entschuldige mich". Hier zeige sich, dass der Sinn der Beichte vielerorts verloren gegangen sei. Denn man kann sich nicht selbst entschuldigen, man kann nur um Verzeihung bitten. Entschuldigen, von der Schuld lossprechen, muss der andere, letztlich Gott. Entsprechend muss es heißen: "Ich bitte dich um Entschuldigung." Auch das Wort "Beruf" sei durch Luther geprägt worden, weil er jeden Stand und jede Aufgabe, die ein Mensch für das Gemeinwohl ausführt, als Berufung durch Gott verstanden hat. Damit gab Luther jedem Mensch und Stand sein Ansehen. Die Wertschätzung der Bibel, die für Luther alleiniger Maßstab für den Glauben war, betonte Hahne immer wieder.Luthers Auslegungsgrundsatz für die rechte Bibelauslegung "Was Christum treibet" umschrieb er so: "Durch die Brille Christi mit den liebenden Augen Gottes lesen."

Peter Hahne und Tobias BrendelZu Beginn seines Vortrags forderte Hahne von "der Kirche", dass auch Kirche drin sein soll, wo Kirche drauf steht. "Wo Luther drauf steht, muss auch Luther drin sein." Es hätte dem Abend gut getan, wenn hier und da mehr Luther drin gewesen wäre. Statt beim Anektodischen zu bleiben, dass Luther seine Gedanken zum Beten an seinen Friseur geschrieben habe, hätte man gern auch erfahren, was denn in diesem Lutherbrief genau drin steht. So blieb vieles leider nur angerissen, undifferenziert und plakativ.

Musikalisch haben Thomas Grillenberger (Orgel) und Kerstin Egelkraut (Flöte) mit einer Sonate von Riccio in den Abend eingestimmt. Nach dem Vortrag erfüllte die Soloflöte mit einer Komposition von Orlando di Lasso zu Psalm 9 den Kirchenraum. Der Posaunenchor Wassermungenau begleitete den kräftigen Gemeindegesang zu den Liedern "Ein feste Burg ist unser Gott" und "Herr, dein Wort, die edle Gabe". Pfarrer Tobias Brendel eröffnete die Veranstaltung, als 1. Vorsitzender des EBW Windsbach und überreichte dem Gast aus Berlin nach seinem Vortrag einen fränkischen Brotzeitkorb.

Pfr. Brendel, Pfrin. Dr. Kemnitzer, Dekan Schlicker, Peter Hahne und Bürgermeister Werner BäuerleinDie Ortspfarrerin Dr. Konstanze Kemnitzer sprach zum Schluss ein Gebet und den Segen.

Hans Gernert