Tipps zum Erzählen von Harry Voß

Fortbildung für Kindergottesdienst-Mitarbeitende in Windsbach

Kigo-Fortbildung mit Harry Voß in Windsbach

In der letzten Ferienwoche hat die Kirchengemeinde Windsbach eine Kinderbibelwoche mit Harry Voß durchgeführt.
Harry Voß hat Religionspädagogik studiert und ist seit 1995 Kinderreferent beim Bibellesebund. Bekannt wurde er besonders durch seine Kinderbuchreihe "Der Schlunz".
Den 15 Mitarbeitenden aus Windsbach, Wassermungenau, Neuendettelsau, Heilsbronn und Bürglein gab er viele Anregungen zu einem lebendigen Erzählen mit:

- Persönlich Erlebtes ist in der Regel interessant. Unser Leben ist den Kindern näher als das Leben des Paulus oder des Petrus.

- Wovon ich selber begeistert bin, das kann ich leichter weitergeben.

- Bei der Vorbereitung für die Erzählung einer biblischen Geschichte sind drei Schritte sinnvoll:

1. Was bedeutet der Text an sich (Zeit, Kontext, Hintergrund...)?

2. Was bedeutet der Text für mich? (Diese Reflexion sollte nicht übersprungen werden!)

3. Was bedeutet der Text für dich (für die Kinder...)? (Das kann dasselbe sein; das kann aber auch etwas anderes sein, was ich durch Reaktionen oder Fragen der Kinder erfahre.)

- Für die Erzählung überlege ich mir einen inneren Film.

- Für den inneren Film muss ich klären: Wo spielt die Geschichte? Welche Dreohorte gibt es? Welche Personen kommen vor? Wie stehen die Personen in der Geschichte zueinander? Was ist der Zielgedanke? Welche Fragen haben die Kinder? Wie kann ich die Fragen (Lebenswirklichkeit) der Kinder aufnehmen?

- Identifikationsfiguren sind sehr hilfreich: Da leidet jemand mit, reflektiert, schlussfolgert und vermittelt die zentrale Botschaft. Anschließend braucht es keine Übertragung mehr.

- Den ersten und den letzten Satz muss man auswendig parat haben. Ohne Umschweife sollte man direkt in die Geschichte einsteigen. Das erhöht die Aufmerksamkeit von allein. Und am Schluss sollte nicht herumgeeiert werden, sondern ein klarer Satz stehen: "Und sie feierten die ganze Nacht bis zum nächsten Morgen."

- Bei jüngeren Kindern ist die Frage, ob man fremde Begriffe übernehmen soll. Statt "Pharisäer" kann man frei formulieren: "Da kam wieder so ein ganz Schlauer..."

- Klare, einfache, kurze Hauptsätze erleichtern das Zuhören.

- Gefühle lassen besser miterleben.

Man merkt sich (grob aussagt)
5 - 10 % übers Hören
25 % übers Hören + Sehen
50 % übers Hören + Sehen + Erleben
90 % übers Hören + Sehen + Erleben + Verteidigen im Konflikt (Rollenspiel)

Wie hilfreich, ansprechend und auflockernd der Einsatz von Handpuppen ist, demonstierte Harry Voß mit einfachsten Utensilien: Figuren und Puppen finden sich in jedem Haus. Sie lassen sich auch einfach selbst gestalten aus Schaumstoff mit einem Loch für den Zeigefinger, vorher stülpt man einen Stoff (mit einem Loch) über den Zeigefinger und setzt das Schaumstoffgesicht drauf- fertig ist die Figur.

Man muss nur die Scheu vor dem Anfang überwinden. Den Kindern macht es nichts, wenn sie das Gesicht des Erzählers direkt neben der Puppe sehen. Sie identifizieren sich sehr schnell mit der Puppe. Der Erzähler muss nur wissen, welchen Charakter die Puppe hat.

Noch eine Idee: Vor manchen Geschichten kann man den Kindern einen Malauftrag geben zu den Szenen einer Geschichte. "Du malst einen See. Du malst ein Schiff. Du malst einen Menschen..." Dann sammelt man die Bilder ein und entwickelt mit ihnen die Erzählung. Jedes Kind ist gespannt, wann und wie das eigene Bild zum Einsatz kommt.